Dezember. Die Triathlonsaison 2022 ist zu Ende. Zeit für einen halbwegs kurzen und schonungslos persönlichen Rückblick.

Dezember 2021: Trainingsbeginn.

Anfang Dezember steige ich nach kurzer Off-Season wieder ins Training ein. Die ersten Rad- und Laufeinheiten mit Gipsschiene, weil ich mir zwei Wochen zuvor noch unbedingt den Ellenbogen brechen musste. Das Schwimmtraining beginnt deshalb etwas später…

März 2022: Saisoneinstieg mit zwei Mitteldistanzen.

Im März steht der Ironman 70.3 in Puerto Rico auf dem Plan, ein Startplatz noch aus der Vor-Covid-Zeit. Damit sich die weite Anreise lohnt und um zu sehen, ob das geht, entschließe ich mich dazu eine Woche vorher auch beim Clash Miami zu starten. Den Clash Miami gewinne ich, eher wg. fehlender Konkurrenz als dank einer großartigen Leistung. Drei Tage später bin ich in Puerto Rico – und lande erstmal mit einer saftigen Erkältung im Hotelbett. Das Rennen – stärkere Konkurrenz und anspruchsvolle Laufstrecke – bekomme ich zunächst noch ganz ordentlich hin. Beim Laufen zieht es mir dann aber gewaltig den Stecker, mit Müh‘ und Not rette ich mich noch auf Platz 3. Alles in allem trotzdem ein guter Saisoneinstieg!

Mai 2022: Tiefpunkt Ironman-WM in St. George.

Was bin ich im März und April den Petrisberg rauf und runter gerannt! Rad- und Laufstrecke in St. George waren als „hilly“ angekündigt, deshalb hatte ich viele Höhenmeter ins Training eingebaut. Zwei Gedanken: „Solche Strecken liegen dir“ und „Du bist in Topform“. Von wegen! Beides falsch! Jedenfalls an diesem 8. Mai. Das Schwimmen geht noch, das Radfahren ist schon mäßig, das Laufen, gerade das Laufen (!), wird zur Vollkatastrophe. Vom ersten Kilometer an schleppe ich mich müde über den Asphalt, null Energie im Körper. Bei Km 8 lege ich die erste Gehpause ein, die auf den folgenden Kilometern immer häufiger und länger werden. Nach der ersten Laufrunde gebe ich schließlich auf. DNF! Das erste Mal bei einer Mittel- oder Langdistanz. Was für eine Enttäuschung! Bis heute habe ich keine Ahnung was da (mit mir) los war!

Juni 2022: Nordamerikanische Ironman-Meisterschaften in Des Moines.

Das kann ich doch besser! Frustriert und trotzig entschließe ich mich, fünf Wochen später in Des Moines zu starten. Davor noch ein paar ziemlich wilde Koppeleinheiten. Und tatsächlich: Es klappt! Bestzeiten im Wasser und auf der Radstrecke lassen mich als Zweiter der Ak in die Wechselzone einbiegen, dann laufe ich bei – ungelogen! – tropischen Hawaii plus-Temperaturen auf Platz 1 vor. „Nordamerikanischer Meister“! Klingt gut, muss man aber auch nicht zu hoch hängen. So kurz nach der WM waren die Besten nicht am Start.

Juli-September 2022: Sendepause, neuer Rahmen und wieder ein DNF.

Nach Des Moines kehrt mein Fahrrad erst sechs Wochen nach mir aus den USA zurück – mit doppelt gebrochenem Rahmen! Den Sommer verbringe ich v.a. damit, mich mit American Airlines auseinanderzusetzen und mir einen neuen Rahmen zu beschaffen. Das dauert. Anfang September will ich vor Kona das neue Rad im Wettkampf testen und starte bei der Challenge Almere auf der Mitteldistanz. Nach 40 Km auf dem Rad löst sich eine Schraube und die rechte Kurbel fällt ab! Tja, das ist neu :-). Der Besenwagen fährt mich zurück.

Oktober 2022: Ironman-WM Hawaii und Ironman 70.3-WM St. George.

Zwei Weltmeisterschaften in drei Wochen! Erst schön warm, dann besch… kalt! In Kona komme ich ganz ordentlich durch den Tag, Platz 47 von 386 Startern in meiner Ak, 10:53 Stunden. Sehr schade, dass mich beim Laufen ab Km 20 immer wieder heftige Muskelkrämpfe ausbremsen. Da wäre ein deutlich besserer Laufsplit drin gewesen! Auch die Rückkehr nach St. George gelingt halbwegs, Platz 57 von 310 Startern – wiederum v.a. dank einer vernünftigen Laufleistung. Trotzdem: Hitze vertrage ich wohl besser als Höhe.

November 2022: Ironman Cozumel

Nach St. George horche ich in meinen Körper rein. Reicht es noch für eine weitere Langdistanz? Ganz taufrisch fühle ich mich nicht mehr, Restform statt Bestform. Andererseits habe ich noch einen Startplatz für Cozumel aus der Vor-Covid-Zeit. Egal, ich versuch’s mal! Aus beruflichen Gründen kann ich nur kurzfristig anreisen, drei Tage müssen für die Akklimatisation reichen. Erst vor Ort bekomme ich mit, dass Scheibenräder verboten sind. Hmm, das ist schlecht… Den Freitag verbringe ich damit, mir ein anderes Laufrad zu besorgen. Am Ende geht aber alles gut aus: In der Wechselzone 2 ruft mir Sara zu, dass ich auf Ak-Platz 7 liege. Ich beiße nochmal richtig auf die Zähne und laufe schließlich als Zweiter über die Ziellinie. Uff! Das war’s jetzt aber auch denke ich nur!

Ein verrücktes und v.a. kostspieliges (!) Jahr, das ich so wohl nicht nochmal bringen werde…