Bericht und Bild von Peter Joecken

Hier nun eine kurze Erlebnisbeschreibung von meiner 25. Rothteilnahme und meiner 50. Langdistanz überhaupt. Geschafft, aber glücklich bin ich, nun den emotionalen Höhepunkt meiner Saison bewältigt zu haben. Vor dem Rennen waren die drei Tage Roth leider nicht mit der nötigen Erholung verlaufen. 3 Tage Schutzengelsteinchen verkaufen am Stand auf der Expo in Bullenhitze und nur Stehen und Quatschen, um die Leute von der guten Aktion zu überzeugen und zu kaufen, waren zäh und anstrengend. Als ich dann am Rennmorgen im Neo im Wasser stand, fand ich zum ersten Mal etwas zu mir und versuchte, mich auf das Rennen zu konzentrieren. Als es mit dem Böllerschuss losging, dachte ich: „endlich alleine…“
Wie immer schwamm ich mein Tempo durch und registrierte am Ende eine 1:17, was für mich völlig normal war. Der Wechsel aufs Rad lief schnell und zügig. Auf dem Rad dann merkte ich allerdings Leere in meinen Beinen. Wer soviele Langdistanzen hinter sich hat, weiß, dass dieses Zeichen zu beachten, wichtig ist.

Ich fuhr verhalten weiter und ließ mich nicht dazu verleiten, mit erhöhtem Tempo meinen Körper zu überfordern. Oft dachte ich daran, wie es früher war, als ich im „Angriffsmodus“ und mit hohem Tempo über die Radstrecke fegte. Die aktuelle Müdigkeit und mein fortgeschrittenes Alter waren für mich Erklärung und Begründung gleichermaßen. Damit musste und damit konnte ich dann ganz gut leben auf der Radstrecke.

5:45 war das ernüchternde, aber logische Ergebnis. Lag ich zu der Zeit noch auf Platz 2 in der TM65, hatte ich noch Hoffnung, einen Podiumsplatz erobern zu können. Ich war mir allerdings völlig im Klaren, dass ich mit der erst im Februar erfolgten Knieoperation und ohne jegliches Lauftraining eher schnell „durchgereicht“ werden würde. Der Wechsel zum Laufen ging schnell und reibungslos, wenn auch mit krummem und verspanntem Rücken vom Radfahren. Der erste Laufkilometer war geprägt von lauten Anfeuerungsrufen der Zuschauer, die unsere Aktion für den Hospiz-Verein Hilpoltstein-Roth mit bekommen hatten. Ich wollte beim Laufen etwas schneller zu sein, als auf Lanzarote, wo ich mit 4:48 Stunden den Marathonlauf absolvierte. Mein Knie meldete sich nur verhalten und ermöglichte mir, schmerzfrei zu laufen. Das war ein gutes, Mut machendes Zeichen. Der Weg zum ersten Wendepunkt bei km 8 in Heimpfarrich zeigte mir, was für einen Gegner ich im Gegenwind, der heftig blies, zu beachten hatte. Das war schon heftig kräftezehrend. Ich als „erfahrender Hase“ nutzte etwas schneller laufende Athleten vor mir aus, um im Windschatten Kraft zu sparen. Ich lief permanent 6:30 im Schnitt und dabei ging es mir gut. Es wäre überflüssig, nun den weiteren Verlauf zu schildern,  ich hatte wieder etwas Kraft in den Beinen und war auf dem Rückweg nach Roth sogar in der Lage, für 4 km unter 6 Minuten zu laufen. Der Weg hoch nach Büchenbach erfuhr dann die erste Unterbrechung in Form eines Kurzinterviews beim Stand von Frank Horras von der Haardseemafia, wo wir nochmal live unsere Charityaktion bewarben. Der  4km lange Anstieg nach Büchenbach tat dann noch mal richtig weh, aber er war ja als Schwierigkeit in meinem Kopf programmiert. Dann in Roth eingangs das zweite Kurzinterview an einem Stimmungsnest, dem dann bis zum Ziel noch 2 weitere folgten. Es war eben kein normales Rennen für mich und mir war am Ende die Zeit nicht so wichtig. Ich blieb immer wieder stehen und beantwortete die Fragen der Zuschauer. Es war ein schönes Gefühl, sich als Teil der Challenge zu fühlen. Der Zieleinlauf mit Clown Michel zusammen war dann der Höhepunkt. Das Stadion tobte und wir liefen stolz und glücklich ein. Ich war so voller Enthusiasmus, dass ich gar nicht daran dachte, auf dem letzten Kilometer einen 78 Jahre alten Mann mit Clownkostüm zu einer 5:11 getrieben zu haben, bis er mir zurief:“Peter, ich bin schon etwas älter, mach nicht so schnell!!“ So stand am Ende die 11:44 und ein Marathon mit 4:30 Stunden. Platz 4 in der AK, mit dem „Durchreichen“ war es dann doch nicht ganz so schlimm,  da waren ein paar andere „Jungs“ halt schneller als ich. Das akzeptiere ich sportlich und ich gönne es jedem, der an diesem Tag besser war, als ich. Ich habe nun schon wieder Barcelona im Kopf in 13 Wochen. Aber erst mal Ausruhen ist nun die Devise.