Nun kommen mal die Athleten direkt zu Wort!

Jens Roth:

Berlin:
Die Ausgangssituation für das letzte Bundesligarennen und wohl auch durch die Tatsache, dass dieses Rennen im Rahmen der Finals in Berlin vor dem
Olympiastadion ausgetragen wurde, hätte für uns nicht schwieriger sein können. Als Aufsteiger und von den meisten Teams als klarer Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, standen wir vor dem letzten Rennen mit dem Rücken zur Wand.
In der Tabelle nach 3 von 4 Rennen  auf dem letzten Nicht-Abstiegsplatz und genau den mussten wir auch verteidigen.
Dieses Mal war wirklich alles angerichtet dafür, dass wir uns ausschließlich auf den Start und dass was auf dem Spiel stand, konzentrieren konnten.
An dieser Stelle direkt zu Beginn, Danke an das Team hinter Kulissen.
Wir sind im Rennen zwar die 5  Athleten, die die Farben des Vereins  und die unserer Sponsoren vertreten, aber dahinter steht viel mehr, als es vor der Kamera, in Ergebnislisten und Presse aussieht.
Natürlich mag es für den ein oder anderen vor dem Rennen komisch ausgesehen haben, dass unser Australier Adam am Samstag noch im Europacup in Malmö Schweden und ich beim vermeintlich „kleinen“ Crosstriathlon in Schalkenmehren am Start waren.
Grade bei dem was auf dem Spiel stand. Man hätte dann nach einem direkten Abstieg aus der 1. Bundesliga Kritikern recht geben können…

Doch zum Rennen: Im Wannsee war es sehr sehr hektisch. Wer die Bilder der Liveberichterstattung an der ersten Boje gesehen hat, kann vielleicht nachvollziehen, wenn sogar ich als einer der schnelleren Schwimmer sage, „ich wäre fast ertrunken“. Grade dort hab ich den Sprung in die Spitzengruppe verpasst. Was mir Andy und Tim nach dem Rennen berichtet haben, wie sie sich da gefühlt haben und was ich dann auf den Bildern gesehen habe, Wahnsinn, das habe ich noch nicht erlebt.

Auf dem Rad fand ich mich dann zwar als einer der ersten Verfolger der 20 Mann starken Spitzengruppe wieder, wusste aber, dass ich die neue Situation annehmen und den Plan, den wir mit Irmela und Olli, die Marc als Teamleiter wirklich mehr als würdig vertreten haben, umsetzen musste. Kein DSQ, keine Strafe, Laufen und jeder Platz iwar wichtiger als vorher, auch wenn es das Sprintfinish um Platz 48 oder 49 ist. Zurück zu der Situation. Keine 1,5km auf der Radstrecke gefahren, überholt mich mein Teamkollege, unser Jungspund Timo.  An seinem Hinterrad einfach der Olympia Vierte und Topfavorit auf den Sieg Richard Murray. Wahnsinn ein kurzer Moment der Gänsehaut, aber die Situation ist klar 😉 Prompt ist auch Adam unser Australier da, somit haben wir 3 Mann in dieser Gruppe. Die Strecke bringt uns über einen Zubringer von 12 km vor die Tore des Olympiastadions, wo es dann auf einen Rundkurs von 2 1/2 Runden vor einer atemberaubenden Zuschauermasse geht.
Ich weiß, dass wir ganz gut dabei sind, aber hoffentlich läuft es bei Tim und Andy, die sich irgendwo hinter uns befinden, genau so gut, denke ich.

Beim Wechsel in die Laufschuhe mache ich nicht alles richtig, aber ich weiß, dass ich mehr als jemals bereit bin, mich im Laufen in Richtung Kotzgrenze zu quälen.
Von Anfang an ist Adam mein Fixpunkt, der mit mir in die Laufschuhe wechselt. Timo unglaublich, der Kleine, ist einfach nach dem Wechsel in die Laufschuhe schon wieder 50m vor mir und zeigt, dass er mit Recht zum dritten Mal in der Saison aufgestellt wurde.
Ich bleibe bei Adam, zusammen laufen wir nach 2.5 km durch die Wechselzone, in der wir nicht mal vor 8 Minuten unsere Räder angestellt hatten. Noch 2.5km bis zum Ziel. An der Strecke haben sich unser Support und unsere Betreuer sowas von richtig platziert und ich habe teilweise das Gefühl, dass mich hier fast genau so viele Menschen wie gestern in Schalkenmehren kennen, Wahnsinn 🙏🏼
Kurz darauf realisiere ich, dass entweder Andy oder Tim sich zu diesem Zeitpunkt, 2km vor dem Ziel nicht mehr im Rennen befinden. Wer von beiden es ist, kann ich am Streckenrand nicht erkennen.
Auf jeden Fall ist klar – für mich noch weiter nach vorne, soweit es nur geht. Diejenigen, die die Bilder am TV verfolgt haben, sehen, dass wir mit dem Ausgang des Rennens zwar nichts zu tun haben, aber dass wir uns für den Verbleib in der wirklich den A……. aufgerissen haben.
Dass ich mich nach Überqueren der Ziellinie direkt links an die Bande setze, um Adam abzuklatschen und ihm wieder mal zu einer grandiosen Rennen gratuliere, ist Ehrensache. Na gut, ich muss sagen, ich war auch froh endlich sitzen zu können 😜
20 Sekunden später sitzt auch Timo schon bei uns.
So, wann kommen Andy oder Tim, einer fehlt uns ja noch für die Wertung.
Dann kommt Irmela zu uns an die Bande. Was hat die diese Woche Nerven gelassen….. erst von 0 auf Teamleiter, dann in der Situation mit Tabellenplatz 14, mit dem Rücken zur Wand, Adam und ich 12 Stunden vor dem Start noch nicht in Berlin, dann werden noch 2 unserer Athleten während des laufenden Rennens aus dem Rennen genommen…. unglaublich.
Vor der Saison war Irmi „eigentlich“ „nur“ als Physio geplant. Dass sie für das Team und das im Grunde schon seit Jahren,  unverzichtbar ist, sollten wir spätestens nach dem vergangenen Wochenende realisiert haben.
Ich könnte jetzt noch meilenweit ausholen, aber ich sage einfach mal nur, wir erfüllen die Frauenquote bei Tri Post Trier jetzt schon zu 100% und ich persönlich bin für eine Doppelspitze aus Marc und Irmi für 2020 😉

Zurück zur Bande: Irmela sagt uns, dass Andy und Tim beide aus dem Rennen sind. Durch den langen Zubringer zum Olympiagelände und dem relativ kurzen Rundkurs vor den Toren des Olympiastadions gab es eine Überrundungsregelung, dass jeder der umrundet wurde, das Rennen beenden musste. Leider und das nach hartem Kampf waren sowohl erst Andy und dann Tim davon betroffen. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich echt, das wars. Ein Jahr Triathlonbundesliga und dann in Berlin vor der Kulisse wieder runter in Liga 2.
3 Athleten für das Gesamtergebnis bei 4 zu wertenden im Ziel und dann einmal die Maximalpunktzahl oben drauf, das geht auf keinen Fall gut aus für uns.

Bei allen Rennen, im Kraichgau, in Düsseldorf und in Tübingen hat immer irgendwas nicht so funktioniert, wie es sollte und wie wir es gekonnt hätten.

Dann die Meldung von Oliver Spitzhorn, Timos Vater, der im Zielbereich fast mehr am Handy daddelt als ich auf der 6stundigen Autofahrt von Schalkenmehren nach Berlin, Klassenerhalt !!

Wahnsinn !!!!! Der Pressevertreter, unserer rasender Reporter Holger Teusch ist in diesem Moment direkt bei uns, interviewt Timo und mich zum Rennen und freut sich in diesem Moment mit uns.
Sofort schickt er uns für ein Foto unter den Zielbogen, die olympischen Ringe im Rücken.

Wir haben es tatsächlich und mit all den Unebenheiten geschafft, als Team in der Liga zu bestehen und nicht gleich wieder in Liga 2 abzusteigen. Die Saison hatte Höhen und Tiefen, einer war aber immer zu Stelle, wenn es gezählt hat. Nach meiner Disqualifikation im Kraichgau und dem letzten Platz war es Helmut, unser Vorsitzender, der dienstags Abends im Schwimmbad die passenden Worte gefunden hat.
In Düsseldorf dann überragend. Timo erwischt einen ziemlich gebrachten Tag, aber Andy und Tim sind da und zeigen das, was Sie können und vor allem, dass wir in die Liga gehören und es nicht nur eine einjährige Reise sein sollte.
In Tübingen haben wir dann die vermeintlich stärkste Starting Five am Start, aber auch die Konstellation der anderen Teams und die des Rennens lässt uns nicht über den 12. Tagesplatz und weiterhin Platz 14 in der Tabelle hinauskommen.
Was in Berlin passiert ist, habe ich ausführlich beschrieben.

Wir haben als Verein vor und hinter den Kulissen gelernt, was es es heißt, in der ersten Bundesliga aktiv zu sein.
Ich denke, alle sind froh und zufrieden, dass wir auch 2020 die Chance bekommen, uns zu beweisen und wir wissen nun, was wir besser machen können.

Vielen Dank auch an Herrn Königshausen und Herrn Dorn, zwei Herren unseres Namesgebers PSD Bank Tri Post Trier,  für die extra Motivation am Strandbad Wannsee.

Die Bundesliga macht jetzt Pause und für mich geht es nun um die Titelverteidigung der Deutschen Meisterschaft im Crosstriathlon im Rahmen des XTERRA Germany in Zittau. (Anm. d. Redaktion: 17. August Daumen drücken!)

Jens

 

Andreas Theobald:

Für mich lief Kraichgau und Berlin nicht gut. Düsseldorf war das einzige Rennen, wo zumindest das Endergebnis einigermaßen stimmte.
Hauptsächlich lag es bei mir am Schwimmen, hier muss ich im Winter einen großen Leistungssprung machen, um nächstes Jahr konkurrenzfähig zu sein.

Andy

 

Adam Rudgely:

It’s been so much fun racing for Trier and the people have been amazing looking after me.

Timo Spitzhorn:

Also wie schon gesagt, bin ich mit meinem Rennen echt zufrieden. Vor allem mit dem Schwimmmen natürlich. Ich hätte nicht gedacht, kurz hinter Jens und vor Adam, Giulio und Murray aufs Rad zu steigen. Fast schon schade, dass es dann doch noch so viele in die zweite Radgruppe geschafft haben. Auf dem Rad habe ich mich immer schön im Windschatten aufgehalten und bin dann kurz vor der Wechselzone etwas weiter nach vorne gefahren, um ungestört absteigen zu können. Beim Laufen wusste ich, das die anderen schneller laufen als ich und bin einfach mein Tempo angelaufen. Am Ende bin ich glaube ich für meine Verhältnisse ganz ordentlich gelaufen. Mehr ging nicht.
Natürlich schade, dass gleich zwei von uns das Rennen nicht beenden konnten, aber am Ende hat es ja zum Glück noch für den Klassenerhalt gereicht.
Zur Bundesligasaison kann man nur sagen, dass es eine verrückte Saison war und dass wir viel gelernt haben für nächstes Jahr. Mir haben die Rennen alle sehr viel Spaß gemacht und ich fand es einfach auch cool gegen solch große Namen anzutreten. Die Xterra Saison ist noch in vollem Gange und noch lange nicht beendet. 💪🏼 (Anm. der Redaktion: Timo wird am 27. Oktober bei der XTerra Weltmeisterschaft auf Maui starten. Wir drücken ganz fest die Daumen!, nebenher geht Timo übrigens noch zur Schule ;-))

Tim Dülfer:

Zu allererst möchte ich mich bei der Tri Post bedanken für die super Arbeit, die diese Saison und auch im Vorfeld geleistet wurde. Ohne die wäre das alles nicht möglich gewesen.
Daher ein riesen Dank an alle Unterstützer vor Ort, ob Fahrer, Teamleiter, Trainer, mitgereiste Fans, Physio, Vorstand und so weiter.
Ich konnte mich komplett auf mein Training und die Rennen konzentrieren, denn alles andere wurde von Euch geregelt. Vom Fahren (PD) über Essen bis „gut Zureden“, Planung und noch viel mehr.
Auch in den Trainings wurde mir immer wieder das Gefühl vermittelt, dass ihr alle mitfiebert und hinter uns steht. Ich finde das wirklich ganz toll und bin ehrlich dankbar.
Kommen wir leider nun zu dem etwas enttäuschenderen Teil. Dass mir dieses Rennformat nicht sehr gut liegen wird, wusste ich von Anfang an. Es ist schwierig, ohne Erfahrungen in solchen Rennen an der Startlinie zu stehen.
Trotzdem sah und sehe ich mich leistungsmäßig in den Top 30. Das führe ich auf Leistungen und Daten meiner Trainingsleistungen zurück. Liefern konnte ich diese Platzierungen leider nicht, das ist jedoch das Einzige was zählt: Liefern,
wenn es darauf ankommt. Und da gibt es für mich keine Ausreden. Ich startete alle vier Rennen und mein bestes Ergebnis erzielte ich in Düsseldorf mit dem 40. Platz, über den ich mich sehr freute. Dabei ist es wirklich wie verhext:
Ich hatte immer das Gefühl Bestleistung abgerufen zu haben und auch nicht nur 1% zu wenig in den Rennen investiert zu  haben und trotzdem stand mir immer etwas im Weg, dass im späteren Ergebnis so aussah, als könnte ich hier absolut
nicht mithalten. Knackpunkt ist für mich definitiv das Schwimmen. Meine Zeit auf 400 m konnte ich in recht kurzer Zeit um 15 Sekunden verbessern auf 4:44 ohne Startsprung und mitten im Training. Im Freiwasser schwamm ich rauf und runter.
In der Bundesliga ließ ich mich dann meistens durchreichen oder verprügeln, und ich bin bei weitem kein Angsthase. Viel mehr fehlt mir die Cleverness in dieser Art von Schwimmen, ohne die auch eine (für mich gute und fürs Mittelfeld
ausreichende) Schwimmform wertlos ist.
Zu oft ließ ich mich abdrängen oder wählte Wege, die mich ans Ende des Feldes katapulitierten. Einmal auf gradem Weg zurück, konnte ich meist dann aber wieder Plätze gut machen, das war dann aber zu spät für die größeren Gruppen.
So lief es in allen Rennen. Im Kraichgau war es wie ein Sprung ins kalte Wasser, so etwas hatte ich noch nie gesehen und ich lernte es auf dem harten Weg das erste Mal kennen. In Düsseldorf kam mir der weite Weg in die WZ1 zugute,
hier rannte ich bis kurz hinter eine Gruppe und fuhr dann barfuß am Limit hinein. Schnelle Wechsel trainierte ich immer wieder. Harte Antritte und das erforderliche Stehvermögen habe ich dank meinem Coach Marc.
Auch sportpsychologisch ließ und lasse ich mich beraten, um nichts unversucht zu lassen. In Tübingen war mit schnellem Wechsel keine Chance, die  WZ Wege waren kurz und ich verlor in der Schlägerei
die Orientierung. Verlor die Gruppe noch auf den letzten 300m. Meist Sekunden oder eine falsche Entscheidung und nach dem Ausstieg ist einem eigentlich klar, dass das Rennen für einen eigentlich schon gelaufen ist, wieder mal. Kampflos
geschlagen gegeben habe ich mich allerdings nie  – einfach Aussteigen ist für mich keine Option, egal wie die Lage ist.  Das wäre gegen meine Überzeugung und allen Unterstützern gegenüber nicht okay.
In Berlin legte ich einen super Start hin und lief vorne mit ins Wasser. Ließ mich dann allerdings schnell wieder verkloppen und abdrängen, schwamm zu weit links und damit einen Umweg. An der ersten Boje war ich schon am Ende des Feldes,
wie online im ZDF zu sehen. Allerdings sind maximal 3-4 sek vorher oder fast  im selben Moment meine Team Kollegen an der Boje zu sehen, nur weiter außen. Adam schwimmt danach noch in die 2. Gruppe. Nach der letzten Boje beginnt
dann meine Aufholjagd, mit allem was abrufbar ist. Ich komme nochmal etwas an ran, lege einen verdammt harten Weg zur WZ 1 durch Sand und über Treppen zurück, springe aufs Rad. Kopf runter, barfuß auf den Schuhen, Hahn offen:
Vollgas und kein Erbarmen – Ich schaffe nach einem knappen Kilometer oder etwas mehr in eine ca. 15-Mann-Gruppe. In der Kurve muss ich dann eine Kollison mit einem Kameramotorrad vermeiden, crashte fast und verlor die Gruppe wieder. um ca.
50m. Ich war schon weit über meinem Limit und immernoch barfuß. Nach hinten wollte ich mich aber einfach nicht orientieren – wer da vielleicht noch kommt –  also versuchte ich es erneut. Am Anschlag fuhr ich nochmal bis zwei Meter auf
die Gruppe auf, die dann das Tempo aber gerade nochmal deutlich erhöhte. In dem Bereich, in dem ich mich zu der Zeit befand, war es für mich nicht mehr möglich mitzugehen, wie sehr ich es auch wollte. Auch das kann man im ZDF
online noch sehen. Ich sah die Gruppe einfach wegfliegen und konnte unter vollem Einsatz nichts mehr dran ändern, ich hätte wirklich heulen können. Ich habe auf dem Rad sehr sehr hart gearbeitet, im Winter in Neuseeland saß ich
mit unter allein 20h die Woche auf dem Rad und fuhr Vo2Max Interalle 10x1min bei 410 W Durchschnitt. Mein Rennen wurde dann beendet von den Kampfrichtern, ich wurde zu weit abgeschlagen, rausgenommen. Ich sah den Pulk kommen und gab nochmal wirklich alles, aber es reichte leider nicht mehr. Kein Lauf mehr für mich. Diese ZDF Szenen werden mich den kommenden Winter auf der Rolle und mental begleiten.
Dass wir die Klasse halten konnten und im nächsten Jahr weiterhin erstklassig sind, freut mich riesig. Mein Ziel ist es, im Winter so zu trainieren und Erfahrungen zu sammeln, um zu einem Leistungsträger für den Klassenerhalt nächstes Jahr zu werden.
Tri Post Trier gehört in die erste Liga.
Grüße, Tim