Sara und Andreas Bund, Uwe Reitz und Peter Joecken haben sich endlich wieder auf Langdistanz begeben. Unter harten, sehr windigen Bedingungen – herzlichen Glückwunsch zu ihren Leistungen und danke für die ausführlichen und ehrlichen Berichte!

Hier kommen Ihre Erlebnisse und Ergebnisse, aufgeschrieben von Andreas, der sich in Tusla einen Slot für Hawaii erkämpft hat:

Sara und Uwe auf Lanzarote, Andreas in Tulsa: Endlich wieder Triathlon!

Nach langer Zeit gibt es endlich mal wieder einen Rennbericht von uns. Sara und Uwe standen am letzten Wochenende auf Lanzarote an der Startlinie, Andreas war am 23. Mai in Tulsa dabei.

Wie üblich erstmal die harten Fakten, zunächst für Sara und Uwe auf Lanzarote:

Sara erreicht nach 14:41 Stunden auf Platz 6 von 11 in der Ak das Ziel. Auf Platz 1 der Ak kommt sie nach 1:06 Stunden aus dem Wasser, steigt auf Platz 5 nach 7:41 Stunden vom Fahrrad und beendet schließlich den Marathon in 5:39 Stunden auf Platz 6.

Uwe ist nach 12:41 Stunden im Ziel, auf Platz 4 von 10 seiner Ak. Für das Schwimmen benötigt er 1:31 Stunden, was ihn zunächst auf Platz 8 der Ak auf das Rad steigen lässt. Das Radfahren beendet er nach 6:58 Stunden, nun ist er auf Platz 5. Den Marathon absolviert er in 4:07 Stunden und schiebt sich damit auf Platz 4 der Ak.

Eine Woche vorher waren wir angereist, geimpft und getestet. Radstrecke (2600 Hm und extrem windig) in zwei Etappen erkundet, ein wenig im Meer geschwommen, ein paar lockere Km gelaufen. Um 7 Uhr gehen zunächst die Profis an den Start, wenig später folgen die Agegrouper. Der Tag wird warm und für Lanzarote, na, sagen wir mal „mittelwindig“, also sehr windig für uns.

Schwimmen

Das Meer ist halbwegs ruhig, die Bojen trotzdem zu klein. Sara findet schnell ihren Rhythmus, kann mit anderen gut zusammen schwimmen und lächelt mich gut gelaunt an, als sie auf das Rad steigt. Bei Uwe läuft es nicht ganz so gut, er verschwimmt sich einige Male und verfehlt am Ende fast den Zielkanal. Was soll’s, seine starke Disziplin kommt jetzt.

Radfahren

Die Radstrecke, das ist ja bekannt, hat es wirklich in sich. 180 Km mit 2600 Hm und auf einem guten Teil davon starker Gegenwind. Wie Boris Stein diese Strecke in 4:47 Stunden bewältigt, ist mir ein Rätsel… Sara braucht jedenfalls etwaaas länger, ich verfolge sie auf dem Tracker. Die ersten 50 Km runter nach Playa Blanca gehen mit Rückenwind noch schnell, dann wird es wirklich schwer. Durch den Timanfaya-Nationalpark und rauf zum Mirador gegen den Wind. Aber Sara hält sich wirklich gut, kann viel öfter auf den Aerobars liegen als in den Tagen zuvor. Uwe spielt seine Stärke voll aus, drittbeste Radzeit in seiner Ak. Zwar berichtet er später von einer Schwächephase beim Aufstieg zum Mirador, aber insgesamt kommt er gut durch.

Laufen

Die Laufstrecke (eine große und zwei kleinere Runden) ist ebenfalls windanfällig: Auf dem Weg zum Flughafen und vor allem am Flughafen selbst bläst einem der Wind brutal ins Gesicht. Das ist wirklich bitter… Sara fängt noch gut an, aber sehr bald geht das Drama los: Starke Magenschmerzen, sie kann die Gels nicht bei sich behalten und muss sich zweimal übergeben. Die Muskeln sind eigentlich noch gut, aber wegen des Magens muss sie immer öfter Gehpausen einlegen. Es wird ein langer Abend, aber mit aller Zähigkeit beißt sich Sara durch und erreicht schließlich das Ziel. Ganz ehrlich: Ich an ihrer Stelle hätte ganz sicher aufgegeben! Uwe läuft den Marathon souverän (anders kann man es nicht sagen) durch, zweitbester Laufsplit in der Ak. Natürlich sieht er bei Km 35 nicht mehr taufrisch aus (wer tut das schon?), aber größere Probleme, das ist jedenfalls mein Eindruck, bekommt er nicht. Respekt!!!

Kona-Slots

Ironman hat die Zahl der Kona-Slots für Lanzarote von 40 auf 100 erhöht. An die zahlenmäßig recht schwach besetzten Ak’s von Sara und Uwe gehen jeweils zwei Slots. Für Sara auf Platz 6 wird es damit sehr eng, ein Slot ist wohl leider eher unwahrscheinlich. Bei Uwe, Platz 4 in der Ak, muss man abwarten, ob er vielleicht im Rolling down-Verfahren einen Slot bekommt.

Andreas in Tusla 

Fünf Wochen zuvor stand ich an der Startlinie der nordamerikanischen Ironman-Meisterschaft in Tulsa, (n)irgendwo im mittleren Westen. Nach einem für meine Verhältnisse recht guten Schwimmen in 1:07 Stunden komme ich auf Platz 22 von 230 Athleten in meiner Ak aus dem Wasser. Die Radstrecke ist dann knifflig: Immerhin 1600 Hm, schlechte Straßen und Dauerregen, der meinen Felgenbremsen die Grenzen aufzeigt. Trotzdem komme ich mit 5:31 Stunden in der Ak weiter voran, auf Platz 12. Unsicher bezüglich der Laufform (wegen Rippenbrüchen musste ich im März für 10 Tage mit dem Laufen aussetzen), aber trotzdem optimistisch gehe ich auf die Laufstrecke und fange zu schnell an, die ersten 21 Km laufe ich in 1:36 Stunden. Das kann natürlich nicht gut gehen und tut es auch nicht. Aber am Ende rette ich mich noch mit 3:28 Stunden ins Ziel,  der drittbeste Laufsplit befördert mich noch von Platz 12 auf Platz 6 der Ak. Das bedeutet einen sicheren Kona-Slot, denn es werden 150 Slots verteilt und meine Ak bekommt als zahlenmäßig stärkste Ak insgesamt 14 davon. Ach ja, die Gesamtzeit: 10:17 Stunden.

Und der Rennbericht von Peter Joecken:

Hier ein kurzer Rennbericht meine ebenso kurzen Renneinsatzes beim Ironman Lanzarote: Als ich in der Früh um 3:45 Uhr aufstand gestern, hatte ich schon so ein komisches Gefühl zwischen Angst und Mut. Mein Körper fühlte sich bereit an, aber in meinem Kopf war deutlich eine Negativspirale zu spüren. Wer die Verhältnisse hier kennt, weiß, dass das normal ist..

Hier weiß man nie, was einen erwartet und das macht den IM Lanzarote aus. Nicht umsonst wird er als das schwerste Rennen der Welt beschrieben.

Egal. Ich war hierher gekommen, um es zu bestreiten. Ohne Kompromisse. Dass es anders gekommen ist, ist eine neue und auch, momentan jedenfalls schmerzliche Erfahrung. Bereits beim Schwimmen schon stellten sich mir unerklärliche Magenkrämpfe und Brechszenarien ein, die mich zwangen, an einer Boje hängend, die Fische zu füttern. Dennoch rief ich meinen Kampfgeist zur Ordnung und ich biss mich durch die unendlich lang erscheinende Distanz durch. 1:31 ist wahrlich keine Referenzzeit selbst für einen Schwimmlegastheniker wie mich. Ich wechselte zügig in 6 Minuten und auf dem Rad kam sie dann, die Wand aus Wind und steilen Anstiegen. Nach 5km merkte ich, dass mein Auflieger locker war. Eine Schraube war nicht richtig fest und das Hörnchen war völlig instabil. Ein kleines, aber auf die Dauer dann doch nervendes Problem, das mir echt die Laune verhagelte. Auf dem Anstieg nach Asomada begannen die Magenkrämpfe wieder und ich erbrach erneut. Mir war flau vor den Augen und ich tröstete mich damit, dass mein Magen nach 2 Toasts wohl leer sein müsste. Leider rebellierten Magen und Kreislauf parallel zum steigenden Puls immer mehr.

Die lange Abfahrt nach Playa Blanca sollte dazu dienen, alles etwas zu beruhigen. Meine Beine blieben allerdings schwer und ich begann, mich zu fragen, wie ich damit umgehen soll. Ich hatte mir Donnerstag noch großspurig ein T-Shirt mit der Aufschrift „****DNF“ gekauft. Daran dachte ich und versuchte, den Gedanken ans Aufgeben zu verdrängen. Der Rückweg von Playa Blanca, 9 km frontal gegen immer stärkeren Wind und einem permanenten Anstieg ließ mich immer mehr zweifeln. Ich hielt zwei mal an, um meinen Kreislauf zu beruhigen. Sobald der Puls höher ging, sanken Leistung und der mentale Wille gleichzeitig. Vor dem Anstieg zum Timanfaya fasste ich den Entschluss, aus zu steigen. Es hatte so keinen Zweck. Ich dachte an Roth in 7 Wochen und ich wollte mich nicht gänzlich „zerschiessen“. Trotzdem war noch ein Funken Hoffnung da, weiter zu fahren und auf ein Wunder zu warten. Das ging dann noch bis km 78. ich konnte die Silhouetten der Berge von Haria und dem Mirador sehen und im Abgleich mit meinem miesen Aggregatzustand stieg ich dann aus. Es ging nichts mehr.

Es waren nicht die brutalen Verhältnisse gestern, es war auch nicht die Angst vor dem, was noch vor mir liegen sollte, die mich dazu zwangen, auf zu geben. Es waren meine eigene Unzulänglichkeit und mein letztlich doch gebrochener Kampfgeist. Eine Grenzerfahrung sozusagen.

Also warten jetzt noch Roth und Barcelona auf mich. Dort kann und möchte ich diese Erfahrungen nutzen, um wieder demütiger an solche Herausforderungen zu gehen. Vielleicht habe ich das in den vielen Langdistanzen vorher verlernt…

Und Sara, der es auch nicht so gut ging, kann ich nur sehr beglückwünschen zu ihrem phänomenalen Durchhaltevermögen. Ich ziehe ganz tief meinen Hut vor ihr. Einfach grandios und  wie man so schön sagt: „Kleine Frau ganz groß“

Und ich? Ich werde nächstes Jahr wieder hier sein und die Scharte in meiner sportlichen Vita auslöschen. Aufgeben ist nicht immer eine Option…