Hier ein toller Bericht von Andreas Bund über die erste LD für Sara und ihn.

Und wenn eine Anmerkung der Radaktion erlaubt ist: Für eine erste LD können sich die Zeiten nicht nur „eigentlich“ sehen lassen 🙂
Starke Leistung!

„Lange hatten wir ja ein Geheimnis daraus gemacht, wann und wo wir unsere Premiere auf der Langdistanz „feiern“ wollten. Am Ende haben es dann doch einige schon vorher gewusst (und haben uns sogar via Tracker verfolgt! Vielen Dank dafür!). Hier nun ein ausführlicher Bericht, den ich in mehrere Abschnitte unterteilt habe, so dass jeder nur das lesen muss, was er oder sie vielleicht interessant findet.

Die Ergebnisse
Andreas: 10:38 (Swim 1:14, Bike 5:21, Run 3:51). Platz 8 in der Ak (von 223) und Platz 158 Männer (von 1669).
Sara: 11:41 (Swim 1:02, Bike 6:10, Run 4:18). Platz 13 in der Ak (von 70) und Platz 71 Frauen (von 602).

Vorbereitung

Die Vorbereitung begann im Dezember 2017 mit Trainingsplänen von Marc und führte über ein Trainingslager im März, die Mitteldistanz im April in China (bei der sich Sara sogleich den Kona-Slot holte) sowie einige Wettkämpfe in der Liga schließlich nach Kanada. Irgendwas passiert in so einem langen Zeitraum natürlich immer (Sara hatte im Frühjahr wochenlang mit einem hartnäckigen Husten zu tun und ich brach mir noch im Juli den Arm als mir ein Hund vor das Fahrrad lief und ich stürzte), aber im großen und ganzen klappte alles ganz gut.

Ironman Mont Tremblant

Mont Tremblant liegt 1,5 Autostunden östlich von Montreal, ein kleiner, für Europäer etwas künstlich anmutender, aber trotzdem charmanter Skiort, in dem auch im Sommer viele Urlauber sind. Französisch ist die Erst-, Englisch die Zweitsprache. Die Berge erreichen keine alpinen Höhen, es sieht eher wie im Schwarzwald aus. Die Organisation ist schlichtweg perfekt! Welcome-Dinner, Transport via Shuttle, Ein- und Auschecken, Absperrung und Absicherung der Radstrecke (bis zum letzten Gullydeckel), Verpflegung während und nach dem Wettkampf usw. usw. – alles klappt reibungslos. 2500 AthletInnen stehen ebensoviele extrem nette, aufmerksame und gut geschulte Volunteers zur Seite. Ja, die Ironmann-Serie ist teuer und man kann das eine oder andere durchaus kritisch sehen, aber zumindest in Mont Tremblant bekommt man für sein Geld ein tolles Rennen geboten!

Strecken

Das Schwimmen findet im Lac du Mont Tremblant statt, eine simple Wendepunktstrecke, die es selbst mir schwer macht, mich zu verschwimmen. 23 Grad, sauberes Wasser, Neo erlaubt.

Die Radstrecke hat es in sich: Zwei Runden a 90 Km mit 1800 Hm. Eine besondere Gemeinheit ist ein knapp 20 Km langes Teilstück jeweils zum Ende der Runden (also Km 70-90 und 160-180), das aus einer nicht enden wollenden Abfolge von kurzen aber sehr steilen Anstiegen besteht, von denen einige (zumindest von mir) noch gerade so im kleinsten Gang und im Wiegetritt zu bewältigen waren.

Das Laufen beginnt zunächst auf einer welligen und der Sonne ausgesetzten Straße und setzt sich dann auf einem Radweg fort, der wie der Ruwer-Radweg einen leichten Anstieg aufweist. Die zwei 21 Km langen Runden kommen dann in der Summe auch auf 500 Hm.

Zielzeiten Andreas

Natürlich macht man sich im Vorfeld ein paar Gedanken, wie lange der Spaß wohl gehen wird… und setzt sich damit auch Ziele. Meine Kalkulation ging so, dass ich die Zeiten meiner 2-3 letzten Mitteldistanzen verdoppelte plus einem angemessenen Zeitpuffer für die längere und Hm-schwierigere Strecke. Das bedeutete: Schwimmen ca. 1:20 (insgeheim hoffte ich auf eine 1:15), Radfahren 5:30 (insgeheim 5:20) und Laufen 3:30 (insgeheim 3:20). Für die Wechsel kalkulierte ich großzügig 10  Min. ein. Das würde auf eine Gesamtzeit von 10:30 hinauslaufen und bedeuten, dass ich in der Ak vorn etwas mitmischen kann… Vor dem Schwimmen hatte ich am meisten Bammel, hier hatte ich zuletzt in der Liga einige Debakel erlebt. Beim Laufen war ich mir dagegen ziemlich sicher, dass die 3:30 machbar sind, im Training hatte ich nach langen Radausfahrten 20-30 Km-Läufe deutlich schneller absolviert. Was für ein Irrtum…!!!

Schwimmen

Der Schwimmstart verzögert sich um eine gute Stunde, da sich zunächst noch der Nebel über dem Lac du Mont Tremblant verziehen muss. Einen echten Rolling start gibt es dann nicht mehr, d.h. auf den ersten 300 bis 400 Metern geht es recht ruppig zu. Sara schwimmt gleich vorweg, überholt viele Konkurrenten und sagt später, sie hätte am liebsten gar nicht aufgehört. Mit sehr guten 1:02 steigt sie aus dem Wasser. Auch ich komme besser zurecht als gedacht, wenigstens kann ich mal durchkraulen, ab und an konzentriere ich mich bewusst auf eine saubere Technik. Nach 3800 Metern, die mir gar nicht so lang vorkommen, habe ich wieder festen Boden unter den Füßen. Eine tiefe 1:14 werden gemessen – für die meisten von Euch wäre das eine ziemlich maue Zeit, für mich ist das aber mehr als passabel.

Radfahren

Nach einem Wechsel, bei dem man sich bestimmt auch geschickter anstellen kann, schwinge ich mich aufs Rad und bin die nächsten 40 Minuten erstmal ausschließlich auf der Überholspur. Das kenne ich eigentlich von der Mitteldistanz, aber hier werde ich doch zunehmend unsicher, was mein Pacing betrifft. Einige lassen es für mein Gefühl doch sehr ruhig angehen. Wissen die etwas, was ich nicht weiß? Egal, ich fahre meinen Stiefel weiter und absolviere die erste 90 Km-Runde in 2:34. Für die zweite Runde kalkuliere ich etwas mehr Zeit ein, vielleicht 2:40 oder 2:45? Und tatsächlich: Es wird heißer und einsamer auf der Strecke, die Trinkpausen fallen etwas weniger aerodynamisch aus und die Wellen auf den letzten 20 Km werden richtig hart. 2:46 für die zweite 90 Km-Runde bedeuten aber immer noch eine ordentliche Gesamtzeit von 5:21. Auch Sara kommt gut zurecht, verflucht zwar die Anstiege, kommt am Ende jedoch auf eine sehr gute Radzeit von 6:10.

Laufen

Ich gehe mit einem Split von 6:44 auf die Laufstrecke und bin jetzt fast euphorisch: Wenn ich die geplanten 3:30 jetzt laufe, dann komme ich auf eine Endzeit von ca. 10:15. Das würde sehr wahrscheinlich – das wusste ich aus dem Studium der Vorjahresergebnisse – für einen Platz unter den ersten 3 der Ak reichen. Verdammt, das muss doch zu schaffen sein! – Nein, ist es nicht! Jedenfalls nicht für mich an diesem Tag! Die ersten 10 Km laufe ich noch im beschwingten 4:30/4:35er-Pace, dann meldet sich zum ersten Mal der Magen und ich muss mich auf dem Dixie aus dem Wettkampfanzug schälen. Auf der zweiten Laufrunde dann ein weiteres Mal. Schlimmer noch: Bei Km 20 krampft sich zum ersten Mal der linke hintere Oberschenkelmuskel zusammen, ich stehe geschlagene 5 Minuten herum, dehne den Muskel und werfe Salztabletten ein, die ich von einem Helfer bekomme. Das passiert noch weitere dreimal, das letzte Mal 500 Meter vor dem Ziel! So ein Mist!!! Am Ende steht eine Laufzeit von nur 3:51!! (Und seltsamerweise ist das immer noch die fünftbeste Laufzeit in der Ak!). Ich habs total vermasselt! Ausgerechnet beim Laufen! Sara macht es besser: Sie läuft bis Km 30 ein gleichmäßiges, ruhiges Tempo durch – ohne jede Pause, auch nicht bei den Verpflegungsständen. Dann werden ihre Oberschenkel taub und sie muss Gehphasen einlegen. Ihre Laufzeit: 4:18.

Fazit und Dank

Einerseits sind wir mit unseren Ergebnissen ganz zufrieden. Für die erste Langdistanz können sich die Zeiten und Ak-Platzierungen eigentlich sehen lassen. Und wir wissen jetzt, dass wir eine Langdistanz finishen können. Bei mir noch stärker als bei Sara bleibt aber auch das Gefühl, dass mehr dringewesen wäre und dass man es besser hätte machen können. Na ja, der nächste Versuch kommt bestimmt… :-))

Wir danken Marc für die Trainingspläne und Engel für das Schwimmtraining! Und vielen von Euch, mit denen wir in den letzten Monaten gemeinsame Trainingseinheiten im Schwimmbecken, auf dem Fahrrad oder auf der Laufbahn absolvieren durften! Mein persönlicher Dank geht auch an Sabrina, die mir nach dem Armbruch sehr schnell einen Krankenhaustermin besorgt hat.

Sara und Andreas“