Sara und Andreas Bund starteten am 7. Mai bei der Ironman-Weltmeisterschaft in St. George / USA und schafften es beide leider nicht ins Ziel. Fünf Wochen später versucht Andreas bei der Ironman-Nordamerikameisterschaft in Des Moines die Scharte auszuwetzen. Hier ist sein Bericht:

Ironman-Weltmeisterschaft St. George

Jetzt kann ich es ja sagen: Ich war schon mit ziemlich hohen Erwartungen zur Weltmeisterschaft gefahren. Ich hatte ordentlich trainiert, fühlte mich in guter Form und bei zwei zuvor absolvierten Mitteldistanzen war ich jeweils auf dem Podium gelandet. Insgeheim visierte ich einen Top 15-Platz an, und wenn es gut liefe, dachte ich, wäre vielleicht sogar ein Slot für Kona im Oktober drin. Es kam alles ganz anders…

Das Schwimmen lief mit 1:08 Std. für meine Verhältnisse noch ganz gut. Das Radfahren mit 5:57 Std. war dann schon nur noch gerade so okay, ja klar, 2300 Hm und es wurde ziemlich warm, aber eigentlich habe ich weder gegen das eine noch gegen das andere was. Richtig schlimm wurde es dann aber auf der Laufstrecke. Schon bei den ersten Schritten merke ich: „Sch…e, da geht gar nichts“. 10-12 Km schleppe ich mich so dahin, dann beginne ich immer länger werdende Gehpausen einzustreuen. Es geht wirklich nichts mehr, die totale Erschöpfung, ich stütze mich auf den Knien ab und schnappe nach Luft. Nichts hilft. Nach 21 Km komme ich am Ziel vorbei – und ICH GEBE AUF! Die Enttäuschung danach ist riesengroß! Das erste DNF und ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft! Warum? Keine Ahnung! Ich war fit und gesund, habe mich eher besser als sonst auf der Strecke verpflegt. Ich weiß nur, dass das in den nächsten Wochen ganz schön an mir nagen wird!

Bei Sara läuft es nicht besser: Sie schwimmt 1:04 Std., aber auf der Radstrecke muss sie eine kurze Pause einlegen, nach 7:24 Std. kommt sie in die Wechselzone. Beim Laufen muss sie fast von Beginn an Gehpausen machen. Zufällig begegnen wir uns an einer Verpflegungsstation und erzählen uns, wie besch…en das hier gerade ist. Sara beginnt sogar noch die zweite Laufrunde, überlegt es sich aber dann und gibt ebenfalls auf. Sie hat zumindest eine plausible Erklärung: Vier Wochen Trainingspause im März und April wegen akuten Eisenmangels. Die Enttäuschung über das DNF ist deshalb kaum weniger groß.

Ironman-Nordamerikameisterschaft Des Moines

Es war klar, dass ich möglichst bald versuchen würde, die Scharte auszuwetzen. Die Nordamerikameisterschaft von Ironman in Des Moines / Iowa am 12. Juni bieten sich an. In den verbleibenden drei Wochen lege ich den Schwerpunkt auf längere Koppelläufe. Aus finanziellen und beruflichen Gründen reise ich kurzfristig an und am Tag nach dem Wettkampf gleich wieder zurück.

Schwimmen

Zwei Runden im Grays Lake mit doppelter Laufeinlage, nämlich über eine kleine, in den See ragende Halbinsel. Die etwas über 3800 Meter schwimme ich in neuer Bestzeit, 1:04 Std. Die zweite Runde wird hakelig: Erst überschwimmen uns die Profis, dann schwimmen wir auf die später gestarteten AthletInnen auf, die noch auf der ersten Runde sind. Aber alles geht gut und ich steige mit der 7. Schwimmzeit meiner Ak aus dem Wasser.

Radfahren

Der Weg zur Wechselzone ist wirklich lang, bestimmt 600 Meter. Erst nach 8:09 Minuten steige ich auf’s Rad. Eine große Runde, 182 Km durch amerikanisches Farmland, wellig, mit 1300 Hm. Wir passieren auf der ganzen Strecke nur eine Ortschaft – gleichzeitig der touristische Höhepunkt, denn es ist der Geburtsort von John Wayne. Auch sonst ist es einsam. Weil ich etwas weiter vorne aus dem Wasser gestiegen bin, ist auf der Radstrecke noch nicht viel los und ich fahre meist allein vor mich hin. Aber für meine Verhältnisse recht flott: Nach 5:12 Std. biege ich in die Wechselzone ein, 1. Radsplit der Ak. Der Powermeter zeigt im Schnitt 198 Watt an.

Laufen

Mit einer etwas seltsamen Mischung aus Unsicherheit („Kann ich’s noch?“) und Euphorie („Wenn ich es schaffe unter 3:30 Std. zu bleiben, dann kann das hier meine erste ‚Sub-10‘ werden!“) gehe ich nach 6:28 Std. Wettkampfzeit auf die Laufstrecke. Die ersten 8-10 Km absolviere ich noch in munterer 4:40er-Pace, aber bald zeigt sich: Ein Marathon unter 3.30 Std. ist illusorisch. Es ist warm geworden, eher heiß, genauer feuchtheiß (bei der Siegerehrung sagt jemand zu mir, das sei genau wie auf Hawaii gewesen, und ich muss sagen, das ist nicht übertrieben). Ich schütte Unmengen von Wasser über mich sowie Cola und Gatorade in mich. Viele geben jetzt auf (wie ich in St. George), von über 1400 StarterInnen kommen am Ende nur ca. 860 ins Ziel). Nach 3:52 Std. überquere ich – angemessen erschöpft – die Ziellinie. Die Laufzeit ist keine Heldentat und richtig glücklich bin ich damit nicht. Aber andererseits war nur einer aus der Ak schneller, und das auch nur um 2 Sekunden.

Eine Gesamtzeit von 10:22 Std. bedeuten Platz 1 (von 68) in der Ak und Platz 56 (von 659) bei den männlichen Startern. Am nächsten Morgen werden vier Kona-Slots verteilt, einer davon geht an mich. Schön!