Bilder und ein super Bericht von Andreas Bund:

Sara holt sich den Slot für Nizza und Andreas mit neuer persönlicher 70.3-Bestzeit.

Für die Eiligen zunächst die wichtigsten Zahlen:

Sara überquert bei 4:57:41 (31:34 / 2:47:31 / 1:33:45) die Ziellinie. Das bedeutet Platz 2 (von 28) in ihrer Ak und Platz 4 (von 128) bei den Frauen. Vor ihr landen nur drei (Ex-) Profis, nämlich Michela Santini, Natascha Badmann (genau, die sechsfache Hawaii-Siegerin!) und eine weitere Italienerin. Sara bekommt dafür einen Slot für die 70.3-WM in Nizza. Die Leistung ist um so höher einzuschätzen, als dass sie auf dem Rad ab Km 20 nur noch mit dem kleinen Kettenblatt fahren konnte!

Andreas läuft mit einer Zeit von 4:37:46 (36:40 / 2:26:46 / 1:28:43) ein. Damit verfehlt er mit Platz 4 (von 57) das Ak-Podium nur knapp und landet bei den Männern auf Platz 34 (von 577). Das bedeutet für mich eine neue persönliche 70.3-Bestzeit; einen Nizza-Slot hätte es auch nochmal gegeben.

 

Für die, die sich etwas mehr Zeit nehmen können oder wollen, folgt hier ein (hoffentlich nicht zu langer!) Bericht mit einigen persönlichen Eindrücken.

Start…

Freitag, 1. März, 4 Uhr morgens. Der Wecker klingelt. RACEDAY!!! Die Saison 2019 beginnt! Raus aus den Federn, duschen, frühstücken, die Beutel gegriffen und los geht’s! Die Wechselzone öffnet um 5 Uhr, es ist noch stockdunkel. Dort das Procedere, das ihr alle kennt: Reifen aufpumpen, Bremsen und Schaltung checken, Verpflegung an Bord nehmen usw. Um kurz nach 6 Uhr machen wir uns auf zum Schwimmstart und stehen kurz darauf in den Startblöcken. Es piept 5 Sekunden runter, das Herz legt schon mal einen schnelleren Gang ein und los geht’s…

 

Hindernisse…

Eine Woche zuvor waren wir in Mascat, der Hauptstadt des Oman an- und im örtlichen Ibis-Hotel untergekommen. Als wir die Räder aus den Koffern holen, stellen wir fest, dass an meinem Rad die Sattelstütze gleich doppelt gebrochen ist: Einmal mittig und noch einmal ganz unten beim Übergang in das Sitzrohr. Ersatz ist natürlich nicht zu bekommen und das Mietrennrad, das mir ein Bike-Laden anbietet ist unterirdisch. Also versuche ich es mit einer provisorischen Reparatur: Der mittige Bruch bekommt mehrere Schichten Klebeband verpasst, zwei kleine Eisenscharniere links und rechts, dann Kabelbinder und nochmal Klebeband. Die „Heilung“ des zweiten Bruchs gestaltet sich einfacher: Ich versenke ihn einfach in den Rahmen, das muss reichen! Natürlich sitze ich jetzt zu tief und das ganze Bikefitting-Gedöns war wieder umsonst… Ansonsten: Registrierung, Tapern, Speicher auffüllen…

 

Schwimmen…

Sara spielt mal wieder ihre Stärke voll aus und schwimmt von Anfang an ganz vorne mit! Sie kommt mit 31:34 aus dem Wasser, das ist eine 1:40er-Pace und bedeutet Platz 3 in der Ak und Platz 5 bei den Frauen. Ich kann wenigstens durchkraulen, wenn auch weitgehend orientierungslos. Nach der ersten und der vorletzten Boje biege ich falsch ab und bin 20 Meter neben dem Feld. 36:40 bedeuten eine jämmerliche 1:56er-Pace (!) und ich glaube wirklich, dass ich mindestens ebenso „schnell“ wäre, wenn ich mich einfach treiben ließe!

 

Rad…

Sara fährt auf der welligen Radstrecke (knapp 800 Hm) ein konstant hohes Tempo, hat aber das Riesenpech, dass sie nach Km 20 nicht wieder zurück auf das große Kettenblatt kommt. Das kostet  sie ganz sicher ein paar Minuten, denn es gibt zahlreiche Flach- und Gefälleabschnitte, die sie nun  mit enorm hoher Kadenz durchtreten muss. Trotzdem reicht es noch für 2:47.31, das ist die 7. Zeit   in der Ak und die 23. bei den Frauen. Ich komme sturzfrei durch, das hilft schon mal…! 2:26:46 sind ebenfalls die 7. Ak-Zeit sowie die 61. Zeit bei den Männern. Zum ersten mal habe ich Wattmessung an Bord: Die 90 Km fahre ich mit einer Durchschnittsleistung von knapp 200 Watt, die Normalized Power liegt bei 210 Watt. Dass mir schon bei Km 5 die Aeroflasche aus dem Rahmen fällt, nehme ich achselzuckend zur Kenntnis. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, dass der größte Teil meiner Verpflegung nicht mir, sondern der lokalen Fauna zugute kommt…

 

Laufen…

Inzwischen ist die Temperatur auf über 30 Grad gestiegen. Sara überpact zu Beginn ein wenig und geht bei 9,9 Km mit einer Zeit von 42:09 durch. Das Tempo kann sie zwar nicht ganz halten, aber sie lässt eigentlich kaum nach. Die 4.22er-Pace führt sie nach 1.33:45 ins Ziel, das ist die 2. Zeit sowohl  in der Ak als auch bei den Frauen! Stark!! Ich brauche gefühlt etwas länger als zuletzt, dann geht es aber. 1:28:43 bedeuten eine 4:08er-Pace, die beste Laufzeit in der Ak und die 11. Männer-Zeit. Die Abzweigung zum Ziel muss ich bei Streckenposten erfragen; schade, das kostet Zeit… Auf den letzten Metern überhole ich dann tatsächlich noch Natascha Badmann.

 

Awards cerenomy…

Abends findet unter freiem Himmel die Awards cerenomy in einem Park statt. Sara steht gleich zweimal vorne auf der Bühne, schüttelt einem Mitglied der Sultansfamilie die Hand und nimmt ihre Trophäen in Empfang. Rennen und Organisation werden bei Life-Musik und einem üppigen Buffet diskutiert – insgesamt positiv, denn die Mängel wiegen nicht sooo schwer: Auf der Radstrecke wäre eine Verpflegungsstelle mehr ganz schön gewesen. Die Laufstrecke hätte man etwas breiter anlegen und den Abzweig zum Ziel deutlicher markieren können. Ein Radservice ist in der Ironman-Serie eigentlich Standard. Und statt die Athleten die 3-4 Km vom Ziel zurück zur Wechselzone laufen zu lassen, könnte man beim nächsten Mal über einen Shuttlebus nachdenken. Aber ingesamt war es wirklich mal wieder ein tolles Erlebnis!! Auch und gerade wegen Land, Leuten, Essen und Kultur!! Dazu könnte ich noch einiges schreiben, das spar‘ ich mir aber…

 

Herzlichen Glückwunsch Ihr Beide 🙂