Unterschiedlicher können die Gegebenheiten wohl kaum sein. Markus Fandel feierte seine Langdistanz Premiere letzte Woche in Roth und Peter Joecken beendete seine 50. Langdistanz ebenfalls in Roth (und die 25. in Roth selbst)
Beide lieferten eine grandiose Leistung ab. Markus meinte gar, sein Rennbericht würde langweilig sein, weil alles viel zu glatt lief im Rennen 😆
Und Peter war vor und während dem Rennen noch im Namen der guten Sache unterwegs ❗
Männer, ihr seid beide der Hammer 🙂

Markus überquerte nach 09:53:40 (01:10:02/05:12:14/03:24:04) die Ziellinie und Peter Joecken nach 11:44:08 (01:17:42/05:45:04/04:32:30)

Anbei ein Bericht und Fotos von Markus. Und ich kann euch versprechen, der Bericht ist alles andere als langweilig.
Der Bericht von Peter, der auch für die Charity Aktion „Clowns und Helden“ unterwegs war und fleißig Spenden gesammelt hat, folgt dann hoffentlich noch 😉

 

Bericht von Markus

Der Weg zur Langdistanz:

Als ich vor 5 Jahren in meiner Marathon-Vorbereitung Mittwochs durch`s Moselstadion gelaufen bin hat alles angefangen. „Du warst doch letzte Woche schon hier, lauf doch mit uns! “ sagt der Lauftrainer der TriPost. Die Ausrede „ich hab schon nen langen Lauf hinter mir“ hat bei Ihm nicht gezählt und so bin ich nach über 30km von meiner ersten Trainingseinheit mit den Triathleten nach Hause gestiefelt. Ab da war ich im Triathlon Fieber und damit auch schnell vorprogrammiert für die Langdistanz. In der Zwischenzeit habe ich nicht nur Trainingspartner, sondern auch Freunde im Verein gefunden und mit denen einige Trainingseinheiten und Triathlons gemacht. 2019 sollte dann alles passen und so stand ich ein Jahr vorher am Montagmorgen in der Anmeldeschlange vom Challenge Roth.

 

Die Vorbereitung:

Was ich so toll am Triathlon finde ist, dass man so viele Faktoren selbst beeinflussen kann. Ich bin Trainer und schreibe meine Pläne, bin Mechaniker und repariere mein Rad, Bikefitter, Ernährungsberater, Physio usw. Und weil ich auf keinem dieser Gebiete Fachmann bin, habe ich unheimlich vom Know-How im Verein profitiert. Ich glaube es gibt hundert Leute, mit denen ich trainiert und gefachsimpelt habe, um mich auf den längsten Tag im Jahr vorzubereiten. Gut 10 Stunden Training die Woche standen durchschnittlich auf dem Plan. Und die Motivation dazu kamen von den vielen sportlichen Vorbildern im Verein.

Vorneweg: Für die Anmeldung in Roth musste ich schon ein Jahr vorher meine prognostizierte Zielzeit abgeben. So spontan fand ich 10 Stunden zwar selber unrealistisch, aber Zurückhaltung ist jetzt auch nicht die verbreiteteste Tugend unter Triathleten. Nachdem ich das Wintertraining diszipliniert durchgezogen habe, waren die ersten Wettkampfergebnisse auch gleich sehr positiv. Trier, Güdingen, Grevenmacher, Maxdorf, Zell, … so langsam kam ich ans zweifeln, ob das anvisierte Ziel nicht doch zu schaffen wäre. Das Training wurde härter und die Rechenspielchen wurden immer präziser. Am Ende habe ich eine detaillierte Pacing-Tabelle ausgefüllt, in der beim Best-Case Scenario eine 9:55:00 stand. Befeuert vom Zuspruch und den Glückwünschen meiner Vereinskammeraden wurde diese Pace dann auch in der Samstagnacht vorm Rennen mit einer großen Portion Selbstbewusstsein auf die Radflasche mit der Eigenverpflegung geschrieben. Dabei durfte aber dann auch wirklich Garnichts schief gehen!

So ging es also mit meiner besseren Hälfte Katrin nach immerhin fast 3 Stunden Schlaf zum Schwimmstart. Für wen von uns beiden die letzten 9 Monate jetzt härter waren, weiß ich nicht. Auf jeden Fall bin ich froh, dass ich so eine tolle Unterstützerin für dieses Vorhaben hatte J.

 

Das Rennen:

Jetzt geht`s zur Sache! Beim Einrichten der Wechselzone laufen schon die emotionsschwangeren Hymnen, wie ich sie auf den Videos der Vorjahre beim Rollentraining schon unzählige Male gehört habe. Das Schwimmen ist meine schwächste Disziplin und wegen Schulterproblemen in den letzten 6 Wochen vorm Start sind die ganz langen Trainingseinheiten auch noch weggefallen. Trotzdem bin ich zuversichtlich und komme gut ins Rennen. An der 1900m Marke schaue ich einmal auf die Uhr und liege voll im Soll. Ausstieg nach 1h10h min, Wechsel nach 1h14min, das ist auf die Minute genau nach Plan. Jetzt geht’s auf die Rennmaschine. Die ersten 60km vergehen wie im Flug und vorm Kalvarienberg in Gredingen steht ein Durchschnitt von fast 36km/h auf dem Tacho. Jetzt weiß ich, die Beine sind gut! Ordentlich verpflegen und ein bisschen Tempo rausnehmen, dann könnte ich vielleicht im Plan von 5h17min Radzeit bleiben. Die erste Runde und der Solarer Berg waren ein göttliches Gefühl und ich kam aus dem Grinsen kaum mehr raus. Die zweite Runde wurde dann allerdings etwas langsamer und auf den letzten 40km waren Beine und Nacken schon im tief roten Bereich. In der Wechselzone bin ich dann zum ersten Mal nicht vom Rad abgesprungen, sondern stehen geblieben und habe ganz vorsichtig das Bein über den Sattel gehoben (die Jungs aus der 1. Mannschaft hätten mich dafür wahrscheinlich lautstark ausgelacht). Aus Angst vor Krämpfen habe ich mir im Wechselzelt dann eine Hand voll Salzbrezeln in den trockenen Mund geschoben und bin locker losgelaufen. Über die ersten gut 25km am Kanal entlang habe ich die Pace gut halten können und ich habe mich gezwungen Iso, Gels und Salz an jeder Verpflegungsstelle nachzuladen. Es war nicht heiß, aber auch bei 23 Grad war jeder nasse Schwamm willkommen und jedes Kilometerschild wurde innerlich gefeiert, wie der Zieleinlauf nach einem Ultramarathon (auch wenn ich noch keinen gemacht habe). Ab hier wurde es dann richtig hart. Auf der letzten Schleife raus nach Büchenbach ist mir ein gehender Andi Böcherer entgegen gekommen und ich wusste, das hier ist noch nicht überstanden. Zwischenzeitlich waren meine Hochrechnungen auf die Zielzeit deutlich in den Keller gegangen und ich rechnete mir aus, dass ich mit Ach und Krach bei exakt 10 Stunden rauskomme. Aber auch nur, wenn ich die Pace jetzt halten kann. Inzwischen haben einige andere Athleten um mich herum im letzten Anstieg Gehpausen eingelegt. Das kam für mich nicht infrage. Wenn man schon einen Langdistanz-Sieger nach seinen letzten Tipps fragt, dann sollte man sich ach dran halten. „ Auf keinen Fall anhalten“ hatte Marc gesagt. Also hab ich auf die Zähne gebissen und es durchgezogen. Erst bei km 39 habe ich dann realisiert, dass es nicht so knapp wird wie erwartet. Im Schmerz-Delirium habe ich die einfachsten Zahlen nicht mehr zusammengezählt bekommen. So konnte ich die letzten Metern durch Roth noch einmal genießen und bin mit 9:53:40 durchs Ziel gelaufen.

 

Fazit:

Ich war ja wirklich auf alles Vorbereitet, aber nicht auf einen problemlosen Rennverlauf. Das hätte ich mir nicht erträumt! Am Ende möchte ich mich bei allen Leuten bedanken, die mir auf dem Weg dahin geholfen haben. Beim Training, an der Strecke oder einfach im Erfahrungsaustausch. Anders hätte ich das mit Sicherheit nicht geschafft!