In Roth waren zahlreiche Tri Postler erfolgreich am Start:

Miriam Engel: 10:34:54 Gesamt, 2. Platz Ak, Swim: 1:13:44; Bike: 5:29:03; Run: 3:44:40

Peter Joecken: 11:16:35 Gesamt, 1. Platz Ak, Deutscher Meister und Europa Meister, Swim: 1:25:20; Bike: 5:26:39; Run: 4:12:24

Kessie Kraft: 12:15:02 Gesamt, 18. Ak, Swim: 1:15:54; Bike: 6:15:28; Run: 4:31:44

Gabi Joecken: 12:16:43 Gesamt, AK 19, Swim: 1:14:29; Bike: 5:46:58; Run: 5:02:11

Gratulation zu den tollen Leistungen! Hier kommen ihre persönlichen Erfahrungsberichte:

Miri Engel: 

Angefangen hat meine 2.  Challenge Roth eigentlich schon im Sommer 2019, ich war mit Kind Nummer 4 in der 37. Woche und von meiner Babykugel so ziemlich genervt. Als Athletin und Sportlerin mit Leib und Seele darf man das auch irgendwann sein. Während sich Ehemann Hendrik und Tochter Giovanna fast jedes Wochenende auf  Wettkämpfen austobten, blieb mir nur zugucken, der Crosstrainer und Schwimmen. Frustration gekoppelt mit Schwangerschaftshormonen entlud sich irgendwann in Motivation und am Tag vor der Challenge  fuhren wir mit der ganzen Familie nach Roth um Freunde anzufeuern und am Morgen nach dem Wettkampf vor dem Festzelt auf der Triathlonmesse in Roth die heiß begehrten Teilnehmer Tickets für 2020 zu ergattern. Während der Roth Triathlon in vollem Gange war, bekam ich Bauchschmerzen. Vom Schwimmstart aus ging es dann erst mal Richtung Kreissaal und plötzlich kam mir meine Idee mich zum 2. Mal dort anzumelden recht dumm  vor. Gottseidank hatte ich nur Magenkrämpfe und nach ein paar Stunden Krankenhaus konnten wir uns den Wettkampf weiter anschauen. Die Füße wurden nun endgültig kribbelig und Hendrik und ich holten uns die Teilnahme Tickets am Folgetag.

Mein Ziel für 2020: finishen. Dafür gab es nach der Geburt erst mal eine  XXL Version des Rückbildungsprogrammes von Verena Wiechers & Team, sie bieten ein besonderes Programm für Sportler, wirklich sehr empfehlenswert. Als ich nach 6 Monaten ( Februar/März 2021) wieder richtig laufen konnte, kam Covid. Roth wurde um ein Jahr verschoben und meine Motivation war zunächst komplett dahin.

Es dauerte ein wenig bis mein Kämpferherz sich zurückmeldete (September 2020) und sagte: Jetzt erst Recht! Zum ersten Mal in meinem Sportler Leben ließ ich mir einen Trainingsplan schreiben und das Abenteuer Roth konnte nun hoffentlich beginnen.  Ziel  für 2022: schneller als Roth 2016! Nach 2 Monaten kam dann die nächste Vollbremsung: Covid! Es war dann  Dezember als ich langsam wieder mit dem Training anfangen konnte. Die Zeit bis Roth verging wie im Flug und ich konnte das Training ohne Verletzungen durchführen.

Nun aber zum Wettkampf:

Im September ist es morgens dann doch schon recht frisch (11 Grad). Voller Entsetzen stellte ich fest dass alle Mädels um mich herum 2 Badekappen in der Hand hatten. Meine Trainingsbadekappe war im Rucksack bei Töchterchen Giovanna, irgendwo außerhalb von der Wechselzone, für mich unerreichbar. Wie durch ein Wunder sah ich Giovannas Fußballkuscheldecke am Hang an der Brücke neben der Wechselzone. Es waren noch 20 Minuten bis zu meinem Start und ich lief zum Zaun um Giovanna zu rufen. Natürlich hörte sie mich nicht, die Musik und der Moderator waren viel zu laut. Eine Dame zwischen mir und Giovanna sah mich jedoch verzweifelt winken und ging dann zu meiner Tochter. Sie gab mir meine dicke Badekappe durch den  Zaun. Beruhigt ging ich dann mit 2 Badekappen ins Wasser. Unter Wasser lief direkt meine Schwimmbrille am rechten Auge voll. Meine bis dahin einzigste dichte (aber 3 Jahre alte)Schwimmbrille hat mich im Stich gelassen. Wahrscheinlich war sie beleidigt weil ich in den letzten Monaten diverse anderen Brillen gekauft hatte und sie eigentlich austauschen wollte. Noch 2 Minuten bis zum Start. Alle Versuche das rechte Auge abzudichten blieben erfolglos. Es folgte ein 3,8 km langes Schwimmen mit nur einem Auge, was mich selbst im Kanal zu einigen Orientierungs- Stopps zwang. Ich bin Kontaktlinsenträger und schon auf dem Weg zum Rad merkte ich, dass das rechte Auge ziemlich vernebelt war. Kaum hatte ich das Rad in der Hand viel mir die mit Main Donau Wasser getränkte Linse raus. Gottseidank auf den Arm und ich konnte sie wieder in mein Auge bekommen. Ansonsten hab ich mich auf Grund der kühlen Temperaturen dazu entschieden nach dem Schwimmen alle nassen Sachen auszuziehen und abgetrocknet komplett neu anzuziehen. Das Radfahren verging bis Kilometer 150 ohne Probleme: dann gab es eine Schreck Minute: Eine lebensmüde ältere Dame mit E Bike überquerte hinter einer Kurve die Radstrecke und vor mir kam es fast zum Crash mit drei Athleten, ich musste eine so starke Vollbremsung machen dass ich dachte mein Hinterreifen wäre geplatzt. Es hat ein paar Minuten gedauert bis das Adrenalin wieder runter war, und mein Höhenflug den Rad-Part bald gemeistert zu haben löste sich in Luft auf. Nach 5 Stunden und 29 Minuten kam das Ende der Radstrecke in Sicht. Es war zwischenzeitlich sehr warm geworden und ich freute mich das Longsleeve welches mich am Morgen vor Kälte schützte endlich ausziehen zu können.

Dank der netten Helfer und ihrer super Organisation konnte ich nach 1:59 Minuten die Wechselzone 2 verlassen. Erleichtert ging ich auf die Laufstrecke. Ich hab immer Angst dass beim Radfahren etwas passiert und somit fing nun für mich der entspannte Teil des Triathlons an. Damit ich anfangs nicht zu schnell lief, rannte ich nach Puls und schaute mir die Kilometerzeiten nur sporadisch an. Meine Beine fühlten sich gut an, bis auf den Berg Richtung Büchenbach  bei Kilometer 34, da war ich ein paar Kilometer ziemlich KO und wollte am liebsten nur noch in mein Bett. Oder in den Pool. Ab Kilometer 39 zählte ich die Meter rückwärts: Ich guckte ständig auf die Uhr: noch 3000 Meter, noch 2900 Meter, noch 7 Runden im Moselstadion, noch 2700 Meter….dadurch verging die Zeit irgendwie schneller. Und plötzlich war es geschafft !!! Unfassbar glücklich in solch einer Zeit gefinished zu haben. Im Glückstaumel hab ich tatsächlich nicht gemerkt dass ich den 2. Platz in meiner Altersklasse gemacht habe. Das hab ich erst am Tag danach auf dem Nachhauseweg erfahren.

Gabi Joecken:

  1. (und letzte?) Ironman-Langdistanz für Gabi Joecken

Auch Gabi Joecken war für unseren Verein am Start in Roth. Sie belegte in einer Gesamtzeit von 12:16 Stunden Rang 19 in der AK TW 50 und zeigte sich am Ende sehr zufrieden mit ihrer Leistung. Bei Schwimmen blieb sie mit 1:14 Stunden leicht unter ihrer gewohnten Leistungsstärke, konnte aber auf der Radstrecke mit dem verkürzten, aber mit deutlich mehr Höhenmetern ausgestatteten Streckenabschnitt mit 5:46 Stunden eine gute Zeit fahren. Der zweimal zu absolvierende Rundkurs ließ trotz der Vorsichtsmaßnahmen, die Felix Walchshöfer und sein Team bei der Organisation akribisch geplant hatten, dennoch so viele Zuschauer zu, dass es den Radfahrern leichter fiel, bei zum gegen Mittag hin ansteigenden Temperaturen motiviert Rad zu fahren. Beim abschließenden Marathonlauf dann hatte Gabi sich zum Ziel gesetzt, unter 5 Stunden zu bleiben. Zu Beginn war sie etwas gehemmt durch Probleme mit der Verarbeitung der Wettkampfverpflegung. Der Magen rebellierte und sie war gezwungen, die ersten Kilometer zu gehen. Und wie das in solchen Momenten oft der Fall ist, dachte auch sie darüber nach, das Rennen aufzugeben. Bis zu dem Punkt, als ihr der Gedanke daran kam, dass es ja (aller Voraussicht nach) ihre letzte Langdistanz sein sollte, war sie fast darauf fixiert, aus ihrem Rennen ein DNF zu machen. Ab diesem Moment war das Thema DNF „gegessen“ und Gabi kämpfte sich ins Rennen zurück, lief kontinuierlich ihr Tempo und das Rennen zu Ende. Dass ihre Marathonzeit am Schluss nicht ihren Erwartungen, unter 5 Stunden bleiben zu wollen, entsprach, das war für sie nicht schlimm. Hauptsache, das Rennen beendet und das zudem noch mit Spaß.

In vier Wochen wird Gabi in Barcelona beim IM 70.3 ihre Saison abschließen.

Der „halbe Ironman“ wird zukünftig auch Gabis „Lieblingsdistanz“ werden und obgleich sie heute geradezu kategorisch ausschließen möchte, jemals wieder eine Langdistanz zu absolvieren, kann man gespannt sein, ob sie diese sich selbst auferlegte Einschränkung nicht irgendwann wieder aufhebt. Text: Peter Joecken

Peter Joecken: 

Unendlich stolz und glücklich schreibe ich nun einen kurzen Rennbericht von der Challenge Roth, den Deutschen und Europameisterschaften auf der Langdistanz. An einem Tag wie diesem musste einfach alles passen. Das Wetter verhieß nur das Allerbeste. Strahlender Sonnenschein, ein wie immer perfekt durchgeplantes, hochemotionales Rennen von der Challenge Family, überall angespannte, aber auch strahlende Gesichter bei den Athleten am frühen Morgen. Bei all diesen Voraussetzungen hatte ich jedoch im Leben nicht damit gerechnet, am Ende meine AK zu gewinnen. Das hätte ich im Traum nicht gedacht. Dass das Schwimmen für mich die größte Hürde auf diesem Weg war, das wusste ich angesichts des mehr als vernachlässigten Schwimmtrainings vorher schon. Entsprechend war die Schwimmzeit grottenschlecht mit 1:25 und ich wähnte meine Konkurrenten bereits weit vor mir. So war es dann auch. Ich ging deshalb die Radstrecke mit Bedacht und nach dem Motto „Körnchen sparen“ verhalten an und legte mir meinen „Matchplan“ zurecht. Ich wollte konstant durchfahren, ohne das Letzte aus mir heraus zu holen.

Ich genoss die Atmosphäre, endlich wieder Rennfluidum zu schnuppern und mein DNF aus Lanzarote vergessen zu machen. Wenngleich auch mehr Höhenmeter als üblich zu bewältigen waren und ich ja nicht sooo die Bergziege bin, konnte ich mein Tempo konstant knapp über 31 km/h halten.

Als ich die Wechselzone erreichte, rechnete ich hoch, dass mein Ziel, knapp über 11 Stunden zu erreichen, realistisch geblieben war. Dazu musste „nur noch“ ein Marathon um die 4:30 gelaufen zu werden. Meine treuen Supporter riefen etwas von 4 Minuten Vorsprung, die ich hätte, zu. Ich konnte das nicht glauben und nahm mir vor, an den Wendepunkten zu schauen, wie und wo ich lag. Und siehe da, es war tatsächlich so. Ich lief in meiner AK also von der Spitze weg. Mit diesem Wissen begann ich damit, mich mit dem Gedanken anzufreunden, ich könne es aufs Podium schaffen, denn die Läufer hinter mir waren ausgewiesene Lauffreaks und ich glaubte nicht daran, schneller sein zu können, als sie. Ich kenne das Gefühl, nach einer guten Radzeit dann von besseren Läufern eingesammelt zu werden, nur zu gut und ich hatte die Antennen nach hinten gerichtet, stets in der Erwartung, dass gleich einer von denen an mir vorbei zieht. Ich hatte müde Beine, aber im Kopf war eine Stimme, die mir sagte, dass da noch was geht. Ich legte meine Pace auf 5:45 pro km und erreichte so den nächsten Wendepunkt. Immer noch keiner von den anderen an mir dran. Beim Halbmarathon hatte ich meinen Vorsprung vergrößert, ich lag nun 7 Minuten vor dem Zweiten. In mir reifte die Vorstellung, gewinnen zu können, immer mehr. Ich begann, Cola zu trinken, um noch mehr schnelle Energie zu bekommen.  Meine Splitzeiten blieben konstant und ich dachte, dass der Mann mit dem Hammer heute bei mir mal zuhause bleiben kann. Aber da sollte ja noch der Anstieg nach Büchenbach kommen, der jedem, der da hoch muss, das Letzte abverlangt. Man begegnet hier zum letzten Mal den Athleten, die auf der Verfolgung sind und man kann einschätzen, wie es am Ende ausgeht. Und wieder waren sie nicht näher gekommen, im Gegenteil, sie sahen noch schlechter aus, als ich und kämpften sich noch den Berg hoch, als ich schon runter lief. Da kamen mir zum ersten Mal die Tränen vor Freude, weil ich da realisierte, dass sie mich nicht mehr einholen würden. Unten angekommen dann noch ein Schreck, als meine Muskulatur rebellierte und ein schlimmer Oberschenkelkrampf mich zwang, inne zu halten. Helfer kamen und richteten mich wieder auf. Frank Horras von der Tri Familie griff locker in seine Hosentasche und reichte mir Salztabletten. Ich konnte tatsächlich wieder mein Lauftempo aufnehmen und die letzten 5 km in Angriff nehmen. Das Gefühl, endlich einmal nicht als „ewiger Zweiter“ durchs Ziel bei Deutschen oder Europameisterschaften zu laufen, war für mich gigantisch. Ein Traum sollte sich erfüllen. Kurz vor dem Ziel habe ich mich dann auf dem Teppich im Stadion ordentlich abgelegt. Die Schritte waren wohl zu schlapp geworden. Voll hingeflogen, zwei blutende Wunden am Mund und an einem Finger  zugezogen, aber wieder aufgestanden und ich brauchte noch nicht mal mehr mein Krönchen wieder zu richten. Zu fest saß es da schon auf meinem Kopf. Endlich Deutscher Meister und Europameister zudem. Mit 8 Minuten Vorsprung hatte ich mich durchgekämpft.

Jetzt bin ich nur noch glücklich und zufrieden. Der Blick geht nun Richtung Ironman Barcelona in nicht mehr ganz vier Wochen. Dort die Hawaii-Quali zu erreichen, aber sehr wahrscheinlich nicht an zu nehmen, das ist jetzt das Ziel. Weil schöner als heute kann es nicht mehr werden.