Ein Hund, zwei Sportler, drei Disziplinen, vier Kinder: Wie Miriam Engel-Haumann und Hendrik Haumann ihre Träume vom Ironman-Triathlon mit dem Familienleben in Einklang bringen.

Am Küchenschrank des Holzhauses im Neweler Ortsteil Beßlich hängt der Zettel, den Miriam Engel-Haumann für unentbehrlich hält. Kurz und knapp ist in der Tabelle handschriftlich notiert, was für die 40-Jährige und ihren Mann Hendrik in der aktuellen Woche auf dem Trainingsplan steht. Immer haben sie diesen so im Blick. „Sonst würde, glaub ich, Chaos ausbrechen“, sagt sie lachend.

Organisation ist für das Ausdauersportler-Paar das A und O. Das Ziel: der Langdistanztriathlon im fränkischen Roth im kommenden Juli. Die Distanzen von 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42,195 Kilometer laufen, gemeinhin oft als Ironman bezeichnet, erfordern von berufstätigen Hobbysportlern neben Ausdauer- auch eine gehörige Portion Organisationstalent. Zumal, wenn zur Familie wie bei Miriam und Hendrik vier Kinder und ein Hund gehören. Lauf-, Radfahr- und – in Corona-Zeiten besonders aufwändig – Schwimmtraining müssen nicht nur mit dem Berufs-, sondern auch mit dem Familienleben in Einklang gebracht werden.

Deshalb ist der Trainingsplan am Küchenschrank der Familie Engel-Haumann unverzichtbar. „Ich bin Frühaufsteher und habe keine Probleme damit, um fünf Uhr morgens auf die Rolle zu gehen“, berichtet Hendrik Haumann, dass der Tag gerade im Winter für ihn zuweilen mit einem Indoor-Radtraining beginnt. Oder er fährt zum frühmorgendlichen Schwimmen nach Luxemburg.

Von den Kindern verlässt als Erste die zwölfjährige Giovanna das Haus. Miriam Engel-Haumann sorgt dafür, dass deren jüngere Geschwister in Schule und Kindergarten kommen, bevor sie sich eine Stunde fürs Training abzwacken kann. Zwischenzeitlich sitzt auch Ehemann Hendrik an der Arbeit – wegen Corona nicht im Büro in Luxemburg, sondern im Homeoffice. „Man hat ein bisschen mehr Zeit, weil man die Fahrt spart“, nennt der 41-Jährige einen Vorteil.

Zeit ist das knappste Gut bei Familie Engel-Haumann. Miriam hat bereits Ende September, bei der sogenannten Challenge Roth, erstmals die Ironman-Distanzen bewältigt, in der hervorragenden Zeit von 10:34:54 Stunden. Das brachte der Sportlerin von Tri Post Trier (Triathlon) und TG Konz (Laufen) unerwartet den zweiten Platz in der Altersklasse W 40 und den Vizeeuropameistertitel auf der Triathlon-Langdistanz ein. 2022 sollte ursprünglich nur Hendrik sein Debüt auf der Langdistanz feiern. „Erst hatte ich gedacht, ich mache ein paar Jahre Pause, weil das Training doch immer Ausnahmezustand bedeutet“, lässt Miriam durchblicken. Bis zu 25 Stunden Training pro Woche in den Familienalltag zu integrieren, koste Kraft. Doch ihr Erfolg hat ihren Ehrgeiz noch mehr geweckt. 2022 will Miriam Engel-Haumann es noch einmal mit dem langen Kanten versuchen.

Die organisatorischen Herausforderungen werden also noch größer, nachdem sich Hendrik in diesem Jahr nur aufs Laufen konzentrierte. Eine neue 10.000-Meter-Bestzeit (36:37,28 Minuten) und ein Marathon sicher unter drei Stunden (2:53:08 Stunden) waren zwei seiner besten Resultate. Die ließen ihn nicht nur wegen der Zeiten aufatmen. Denn Ende 2020 bekam der ehemalige Fußballer infolge einer Corona-Infektion Herzprobleme, durfte drei Monate lang überhaupt keinen Sport treiben. Seinen geplanten Langdistanz-Start in Roth verschob er auf 2022. Checkups und Leistungsdiagnostik bestätigten sein Gefühl: Er ist wieder fit, aber vorsichtiger als zuvor. Bei einen Lauf-Start im Oktober in Föhren verzichtete Hendrik Haumann zuletzt. Sein Ruhepuls war höher als normal. Er kümmerte sich deshalb lieber um die Kinder und betreute seine Frau und die älteste Tochter Giovanna, die längst ebenfalls im Triathlon und als Läuferin aktiv ist.