Ein Bericht von Sara und Andreas Bund

70.3 IRONMAN-WM im schönen Nizza und wir sind mit dabei! Hier ein Bericht mit Fakten und
Eindrücken zum Rennen…

Fakten, Fakten, Fakten
Sara: Platz 34 von 252 in der Ak mit einer Gesamtzeit von 5:27 Std. Schwimmen 32:56 Min. (Platz 45),
Rad 3:11 Std. (Platz 51), Laufen 1:36 Std. (Platz 38).
Andreas: Platz 54 von 356 in der Ak mit einer Gesamtzeit von 5:05 Std. Schwimmen 37:58 Min. (Platz
252), Rad 2:51 Std. (Platz 65), Laufen 1:29 Std. (Platz 30).

Anreise und Hotel
Am Wochenende vor der WM in Nizza fand das “Grand Final” der World Triathlon Series in Lausanne
statt – eine gute Gelegenheit, die besten Kurzdistanzler der Welt mal aus der Nähe zu sehen, dachten
wir, fuhren etwas früher los und eben zunächst nach Lausanne. Hat sich gelohnt!! Tolle Atmosphäre,
massig Zuschauer, spannende Rennen! Und die Norweger – Blummenfeldt und Iden auf den Plätzen 1
und 4 – zeigten schon mal, dass sie gut drauf sind!
Am Montag ging es dann durch den Mont Blanc-Tunnel weiter nach Nizza, wo wir im Ibis Budget Hotel
am Flughafen unser Zimmer bezogen – klein, spartanisch ausgestattet und dennoch ziemlich teuer…

Top Sportler wohnen in Top Hotels! Das Fenster erlaubt einen unverbauten Blick auf ein ansprechend gestaltetes Parkhaus der 70er Jahre.

Raceweek-Atmosphäre
Man kann es nicht wegdiskutieren: Bei Weltmeisterschaften erreicht das triathlontypische Spinnertum
regelmäßig seinen Höhepunkt! Im Wettkampfanzug durch die Innenstadt bummeln, oben ohne über die
Promenade des Anglais joggen usw. Die Triathleten sind in der Stadt – und das ist nicht zu übersehen!

Die Strecken
Schwimmen: 1900 Meter im Mittelmeer, das temperaturmäßig um die Neo-Grenze herumpendelt.
Radfahren: “Schwierig!” “Anspruchsvoll”! So hieß es im Vorfeld über die 91,4 Km mit etwas über 1300
Höhenmeter. Und das ist sicher auch richtig. Vor allem ist der Kurs in den Seealpen aber wunderschön!
Was für ein Ausblick vom Col de Vence! Also: 10 Km einrollen, dann 35 Km bergauf, 35 Km bergab und
10 Km ausrollen. Die Bergaufpassage beginnt mit 2-3 Rampen, dann geht es mit 3-5% nach Vence und
schließlich mit gleichmäßigen 7% den Col de Vence auf knapp 1000 Meter rauf. Bergab geht es – von
einem Zwischenanstieg unterbrochen – in zwei Etappen, wobei die zweite technisch etwas schwieriger
ist, v.a. wegen der Ortsdurchfahrten. “Triathlon- oder Straßenrad”, so hieß die Einmillionenfrage. Die
allermeisten entschieden sich für das Triathlonrad. Ich auch, denn meine Triathlonmaschine ist sowieso
ein aufgepimptes Aerorad, nicht allzu schwer und auch halbwegs kurvensicher. Sara fuhr dagegen auf
ihrem Straßenrad.

Laufen: 21 flache Km an der Promenade des Anglais entlang bis zum Flughafen und zurück, zweimal.

Ziele
Einserseits: Ist ‘ne WM, in Europa, wahrscheinlich ziemlich stark besetzt. Andererseits: Die Radstrecke
sollte mir liegen. Also, wenn es gut läuft sollte das obere Drittel meiner Ak eigentlich drin sein! Zudem
wollte ich die Radstrecke unter 3 Std. (auf der Rolle waren 3:15 Std. die beste Zeit gewesen) und das
Laufen wenn irgendwie möglich unter 1:30 Std. absolvieren. Die Gesamtzeit sollte unter 5 Std. liegen.
Sara hatte sich keine Ziele gesetzt; sie wollte in ihrem jugendlichen Leichtsinn alles auf sich zukommen
lassen…

Saras Wettkampf am Samstag
Schwimmen: Ein Gewitter am Vortag senkt die Wassertemperatur auf neotaugliche 24,4 Grad. Um 7:26
Uhr läuft Sara ins Mittelmeer – und steigt nach 31:54 Minuten wieder hinaus. Etwas langsamer als sonst,
weil sie an einer Boje falsch abbiegt und ca. 50 Meter zurückschwimmen muss.
Rad: Nach dem Einrollen startet sie bergauf ihre Aufholjagd und fährt überwiegend links. In der Abfahrt
macht sie mit dem Straßenrad, auf dem sie sich bombensicher fühlt, weitere Plätze gut; es war auch gut,
dass wir am Dienstag den kompletten Radkurs abgefahren waren. Ich bin erleichtert und froh, als ich sie
nach 3:11 Std. in die Wechselszone einbiegen sehe!
Laufen: Beginnt mit einer Zeitstrafe! Weil sie beim Verlassen des Dixie den Wettkampfanzug obenrum
noch nicht komplett wieder angezogen hat, muss sie eine 30 Sekunden-Strafe “abstehen”! Lächerlich!
Danach findet sie aber ihren Rhythmus, lässt in der zweiten Runde kaum nach und läuft nach 1:38 Std.
glücklich über die Ziellinie!

 

Die Mühe hat sich gelohnt: Sara überglücklich mit Medaille im Ziel!

Andreas’ Wettkampf am Sonntag
Schwimmen – oder: Ins Wasser laufen ist kein Schwimmen! Eines muss ich hier mal sagen: Ins Wasser
laufen kann ich super! “Beeep”, und ich laufe los wie von der Tarantel gestochen und gleite mit einem
sauberen Kopfsprung ins Wasser! Für 8, ach komm’, lass’ es 10 Sekunden sein!, sehen meine Mitstarter
nur meine Hacken! Die restlichen 1880 Meter das übliche Elend. Immerhin: Ich schwimme erst vom Ufer
weg, später zum Ufer hin, was soweit richtig ist. Nach 37:57 Minuten ziehen mich zwei kräftige Hände
aus dem Wasser. Ach ja, ohne Neo, nur im Swimsuit!
Rad – oder: Der Überbiker! In der Wechselzone wartet mein Fahrrad wie bestellt und nicht abgeholt auf
mich. Wenn es sprechen könnte, würde es wohl sagen: “Hallo, auch schon da? Die anderen sind schon
längst weg, Du Pfeife!”. Nun denn, der Rest des Wettkampfs findet zu großen Teilen auf der linken Spur
statt. Bergauf überhole ich, ohne Übertreibung, sehr viele, bergab immer noch viele. Aus meiner Ak, da
bin ich ziemlich sicher, passiert mich niemand. Nur ein paar Leute aus der nachfolgenden Startergruppe
der 18-24jährigen ziehen an mir vorbei. Für den Kopf ist das schon gut, irgendwann fühlt man sich wie
ein Überbiker! Dass ich die richtig guten Biker gar nicht zu sehen bekomme, weil sie auch viel schneller
schwimmen, weiß ich, klar, aber verdränge es für den Augenblick. An den Verpflegungsstellen fahre ich

vorbei, der halbe Liter in der Rahmenflasche reicht, eine zweite Flasche schleppe ich wieder umsonst
mit. Nach 2:51 Std. überfahre ich die Dismount-Linie.
Für die Wattfetischisten: Laut Powermeter bin ich durchschnittlich mit 205 Watt gefahren, NP lag bei
233 Watt. Keine besonders beeindruckenden Werte, aber bei meinem Körpergewicht reichen sie für
eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 32,2 Km/h.
Laufen – oder: Irgendwas geht immer! Ich beginne mit der üblichen 4-4:10er-Pace, merke aber bald, so
nach 6 Kilometern, dass es richtig mühsam wird. Habe ich auf dem Rad zu viele Körner verschossen? Ist
es die Hitze? Es ist jetzt 12 Uhr und die Sonne knallt ganz schön runter… Ich muss ziemlich auf die Zähne
beißen, um eine halbwegs vernünftige Pace zu halten. Am Ende geht es auf 4:20-4:25 rauf, auch, weil ich
mir häufiger als sonst Wasserbecher greife. Nach 1:29 überquere ich die Ziellinie, eine Minute langsamer
als bei den letzten Mitteldistanzrennen, aber angesichts der Bedingungen ganz okay.

Andreas mit Medaille im Ziel!

Danke!
Ein großes Danke geht wie immer an die Trainer, also an Marc und Engel Koch!
Maika, Lisa, Simone, Martina und Sarah sind aus Trier nach Nizza gekommen und haben Sara und mich
lautstark angefeuert! Das hat sehr geholfen! Auch dafür herzlichen Dank!
Andreas & Sara